Als Faustregel gilt: Erwachsene ohne Beschwerden lassen ihre Augen etwa alle zwei Jahre prüfen. Ab etwa 40 Jahren, mit Brille oder Kontaktlinsen sowie bei viel Bildschirmarbeit ist ein jährlicher Rhythmus die bessere Wahl. Bei Kindern gelten eigene, engere Intervalle, und in Österreich sind zwei augenärztliche Untersuchungen sogar im Eltern-Kind-Pass fest vorgesehen. Welches Intervall zu Ihrer Situation passt, gehen wir in diesem Ratgeber Schritt für Schritt durch.
Warum regelmäßige Kontrollen wichtig sind
Der Hauptgrund ist so einfach wie tückisch: Die meisten Veränderungen der Sehkraft passieren schleichend. Eine Kurz- oder Weitsichtigkeit entwickelt sich über Monate und Jahre, nicht über Nacht. Es gibt also keinen Moment, in dem Sie merken, dass etwas nicht mehr stimmt.
Dazu kommt, dass unser Gehirn erstaunlich gut darin ist, kleine Unschärfen auszugleichen. Sieht ein Auge schlechter, übernimmt das andere stillschweigend mehr Arbeit. Das ist praktisch, verschleiert aber genau die Veränderung, die man eigentlich bemerken sollte. Viele Menschen gewöhnen sich über Jahre an eine leicht verschwommene Welt und stellen erst nach dem Sehtest fest, wie viel klarer es sein könnte.
Der zweite Grund betrifft Ihre Sicherheit und die anderer. Wer Auto fährt, trägt Verantwortung im Straßenverkehr. Ein regelmäßiger Sehtest gibt Ihnen die Gewissheit, Hindernisse rechtzeitig zu erkennen.
Ein fester Rhythmus hat übrigens einen angenehmen Nebeneffekt: Sie müssen sich die Frage gar nicht mehr stellen. So wie beim Zahnarzt.
Die Intervalle auf einen Blick
| Lebensphase | Empfohlenes Intervall |
|---|---|
| Säuglinge und Kleinkinder | Untersuchungen laut Eltern-Kind-Pass, siehe unten |
| Kinder vor dem Schuleintritt | einmalige Kontrolle, unbedingt vor der Einschulung |
| Kinder und Jugendliche | etwa alle zwei Jahre, mit Sehhilfe jährlich |
| Erwachsene bis 40 | alle zwei bis drei Jahre |
| Ab 40 Jahren | alle ein bis zwei Jahre |
| Ab 60 Jahren | jährlich |
| Mit Brille oder Kontaktlinsen | jährlich, unabhängig vom Alter |
Diese Werte sind Orientierung, keine starre Vorschrift. Wer Beschwerden hat, wartet nicht auf das nächste Intervall.
Kinder und Jugendliche
Bei Kindern geht es um mehr als um scharfes Sehen. Der Sehsinn entwickelt sich über die ersten zehn bis zwölf Lebensjahre, und in dieser Zeit kann eine unentdeckte Fehlsichtigkeit die Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen. Was in dieser Phase versäumt wird, lässt sich später oft nicht mehr vollständig korrigieren. Deshalb ist Früherkennung hier besonders wichtig.
In Österreich gibt es dafür einen klaren Rahmen. Im Eltern-Kind-Pass, früher Mutter-Kind-Pass, sind zwei augenärztliche Untersuchungen vorgesehen:
- Im 10. bis 14. Lebensmonat. Diese Untersuchung kann auch die Kinderärztin oder der Kinderarzt durchführen.
- Im 22. bis 26. Lebensmonat. Diese muss von einer Fachärztin oder einem Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie erfolgen.
Nehmen Sie beide Termine wahr. Sie dienen dazu, Schielen, Fehlsichtigkeiten oder seltene Erkrankungen früh zu erkennen, solange sie noch gut behandelbar sind.
Vor dem Schuleintritt ist eine weitere Kontrolle sehr zu empfehlen. Ein Kind, das die Tafel nicht scharf sieht, kann dem Unterricht schlechter folgen, und das wird leicht als Konzentrationsproblem missverstanden.
Achten Sie im Alltag auf diese Anzeichen: häufiges Augenreiben, Zusammenkneifen der Augen, sehr nahes Herangehen an Bildschirm oder Buch, Kopfschmerzen, oder wenn die schulischen Leistungen ohne erkennbaren Grund nachlassen. Auch wenn beide Elternteile eine Brille tragen, lohnt sich eine frühere und häufigere Kontrolle.
Erwachsene bis 40 Jahre
In dieser Lebensphase sind die Augen meist stabil. Wer keine Beschwerden hat, keine Sehhilfe trägt und keine familiäre Vorbelastung kennt, ist mit einer Kontrolle alle zwei bis drei Jahre gut aufgestellt.
Eine wichtige Einschränkung gibt es allerdings, und sie betrifft heute fast jeden: Wer viel am Bildschirm arbeitet, sollte eher jährlich prüfen lassen. Intensive Naharbeit über Stunden belastet die Augen, und viele der typischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, brennende Augen oder Verspannungen im Nacken hängen mit einer nicht optimal korrigierten Sehstärke zusammen. Auch wer viel liest oder studiert, gehört in diese Gruppe.
Ab 40 Jahren
Etwa ab dem 40. bis 45. Lebensjahr verändert sich etwas Grundlegendes. Die Augenlinse verliert allmählich ihre Fähigkeit, sich auf die Nähe scharfzustellen. Fachleute sprechen von Alterssichtigkeit oder Presbyopie. Das ist keine Krankheit, sondern ein völlig normaler Vorgang, der früher oder später fast alle Menschen betrifft.
Typisch ist, dass die Speisekarte oder das Handy immer weiter weggehalten wird und das Lesen bei schwachem Licht schwerer fällt. Weil sich das über Monate entwickelt, ist ein regelmäßiger Check hier besonders sinnvoll. Empfohlen ist in dieser Lebensphase ein Intervall von ein bis zwei Jahren.
Ab diesem Alter steigt außerdem das Risiko für Augenerkrankungen wie den Grünen Star. Deshalb gehört ab 40 neben dem Sehtest beim Optiker auch die augenärztliche Vorsorge dazu, dazu gleich mehr.
Wenn sich bei Ihnen abzeichnet, dass Ferne und Nähe getrennt korrigiert werden müssen, ist eine Gleitsichtbrille meist die komfortabelste Lösung. Was dabei zu beachten ist, haben wir ausführlich auf unserer Seite zu Gleitsichtbrillen beschrieben.
Ab 60 Jahren
Ab etwa 60 Jahren wird ein jährlicher Rhythmus empfohlen. Der Grund ist weniger die Sehstärke selbst als die Augengesundheit: Grauer Star, altersbedingte Makuladegeneration und weitere Veränderungen treten in dieser Lebensphase häufiger auf und entwickeln sich oft lange unbemerkt.
Eine jährliche Kontrolle bedeutet nicht, dass Sie jedes Jahr eine neue Brille brauchen. Sie bedeutet, dass Veränderungen früh auffallen. Und je früher etwas auffällt, desto besser stehen die Möglichkeiten.
Wer häufiger zum Sehtest sollte
Unabhängig vom Alter gilt ein engerer Rhythmus in diesen Fällen:
- Brillenträgerinnen und Brillenträger: jährlich. Schon kleine Abweichungen zwischen Ihrer tatsächlichen Sehstärke und den Gläsern kosten Sehkomfort. Besonders bei Gleitsichtbrillen macht sich das schnell bemerkbar.
- Kontaktlinsenträger: jährlich. Hier geht es zusätzlich um den Zustand der Hornhaut, auf der die Linsen direkt aufliegen.
- Menschen mit Diabetes: Die Netzhaut kann durch die Erkrankung Schaden nehmen, oft lange ohne spürbare Anzeichen. Hier ist die regelmäßige augenärztliche Kontrolle besonders wichtig.
- Bei starker Kurzsichtigkeit: Höhere Werte gehen mit einem erhöhten Risiko für Netzhautveränderungen einher, weshalb eine jährliche augenärztliche Untersuchung empfohlen wird.
- Bei familiärer Vorbelastung, etwa wenn Grüner Star in der Familie vorkommt.
- Bei intensiver Bildschirmarbeit, siehe oben.
Wichtig: Sehtest beim Optiker und Untersuchung beim Augenarzt
Diesen Punkt möchten wir ehrlich ansprechen, auch wenn wir selbst Optiker sind. Ein Sehtest bei uns und eine augenärztliche Untersuchung sind zwei verschiedene Dinge, und das eine ersetzt das andere nicht.
Was wir als Optiker machen: Wir bestimmen Ihre Sehstärke, also ob und wie stark Sie kurzsichtig, weitsichtig oder hornhautverkrümmt sind, und welche Gläser Sie brauchen. Wir sehen, ob sich Ihre Werte verändert haben, und beraten Sie zur passenden Lösung.
Was in die Augenarztpraxis gehört: die medizinische Untersuchung der Augen. Dazu gehören etwa die Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung des Grünen Stars, die Beurteilung des Augenhintergrunds und die Abklärung von Beschwerden. Erkrankungen wie Glaukom, Makuladegeneration oder diabetische Netzhautveränderungen kann nur eine Ärztin oder ein Arzt diagnostizieren.
Am besten funktioniert beides nebeneinander. Der regelmäßige Sehtest hält Ihre Brille aktuell, die augenärztliche Vorsorge hält Ihre Augen gesund. Und wenn uns beim Sehtest etwas auffällt, das über unser Fachgebiet hinausgeht, sagen wir Ihnen das offen und empfehlen den Weg zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Wann Sie nicht auf das nächste Intervall warten sollten
Diese Anzeichen sind ein Grund, zeitnah einen Termin zu machen, unabhängig davon, wann Ihre letzte Kontrolle war:
- verschwommenes Sehen in der Ferne oder Nähe
- häufige Kopfschmerzen, besonders nach der Arbeit
- brennende, müde oder tränende Augen
- Schwierigkeiten beim Lesen bei schwachem Licht
- vermehrte Blendempfindlichkeit, etwa bei Nachtfahrten
- der Eindruck, ein Auge sehe schlechter als das andere
Bei plötzlichen Veränderungen, Lichtblitzen, einem dunklen Schatten im Blickfeld oder Doppelbildern gehen Sie bitte umgehend zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Das gehört nicht in ein Wartezimmer bis nächste Woche.
Und für den Führerschein?
Auch beim Führerschein spielt die Sehleistung eine Rolle, denn ein Sehtest ist Teil der vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchung. Wie das in Österreich genau abläuft und was Sie dazu mitbringen sollten, beschreiben wir in einem eigenen Ratgeber ausführlich.
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Wie ein Sehtest bei uns im Detail abläuft, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Ablauf des Sehtests.
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